Der Potsdamer Telegrafenberg ist so etwas wie das Silicon Valley von vor hundert Jahren – nur versteckt in den Wäldern Brandenburgs.
Die Dichte an Genies pro Quadratmeter war hier einst schlicht überwältigend. Einstein kritzelte hier auf Servietten, für den erfolgreichsten „gescheiterten“ Versuch der Wissenschaftsgeschichte gab es hier einen Nobelpreis, und hier wurde auch die berühmte „Potsdamer Kartoffel“ der Gravitation modelliert. Übrigens ist der Berg auch heute noch ziemlich beeindruckend: Er zählt nach wie vor zu den weltweit bedeutenden Zentren der Geophysik.
Wir sprechen über den Direktor des Meteorologischen Instituts, der im offenen Korb eines Ballons in zehneinhalb Kilometern Höhe das Bewusstsein verlor … wobei bis heute niemand so genau weiß, wie hoch er damals tatsächlich aufstieg. Über einen Astrophysiker, der mitten im Artilleriedonner des Ersten Weltkriegs ein Schwarzes Loch mathematisch beschrieb. Wir finden den „Nabel“ der deutschen Geodäsie, hängen uns an die Fersen zweier unzertrennlicher Satelliten und entdecken, wie man vom Potsdamer Telegrafenberg aus berechnet, wie viele Kubikmeter Eis in den vergangenen Monaten in der Antarktis geschmolzen sind.
Wir starten direkt am Potsdamer Hauptbahnhof. Zunächst spazieren wir durch das Reich der „Geisteswissenschaftler“, das der IT-Milliardär Hasso Plattner derzeit neu gestaltet. Danach geht es bergauf zu den „Physikern“ – Geophysikern, Klimaforschern und Astronomen.
Wissenschaft zum Anfassen und Verstehen: ganz ohne Formeln und Vorkenntnisse.
Elena Lavin
von Haus aus klassische Archäologin: Sie hat an der Staatlichen Universität Nowosibirsk studiert und am Institut für Archäologie gegraben. Seit über 20 Jahren lebt sie in Berlin. Viele Jahre widmete sie sich ihrem zweiten Beruf: Sie arbeitete in der Spieleentwicklung und an Bildungsprojekten, wo sie mithilfe von Infografiken und Animationen komplexe Sachverhalte verständlich erklärte. Seit rund zehn Jahren arbeitet sie als Guide und führt Menschen durch Berlin und Potsdam, durch die Wälder des Harzes, die alten Bergwerksstollen von Goslar, die Moore des Spreewalds und die aktiven Steinbrüche von Rüdersdorf